KEYNOTE:
Bei Sintflut baue Schiffe, keine Deiche! 
(Ist Deutschland heute noch ein Weiterentwicklungsland?)

Seit langer Zeit ärgert uns »Deutschland ist abgehängt« nicht mehr. Die Medien reden der Politik nach dem Munde, wir hätten das beste System, die beste Ausbildung und eine vorbildliche Verwaltung. Abgehängte Industrien (Auto, Batterien, Bio-Tech) behaupten, leicht aufholen zu können. Sie sagen: »Es ist ja nun nicht so, dass rein gar nichts passiert. Wir tun doch etwas.« Logik, bitte: Wer zur Spitze aufholen will, muss eine Weile schneller laufen als der Beste. Das sieht man nirgendwo. Deutschland ist in diesem Sinne kein Weiterentwicklungsland.
Im Vortrag wird besprochen, wie Start-ups in den USA »abgehen«. Deren Vorgehen scheint hier undenkbar, weil wir hier viel kurzfristiger auf Gewinn schielen als irgendwo. Es liegt zu einem guten Teil an den Controllern, die einen Wandel in ihrem Zahlenwerk nicht abbilden können, an Vertriebschefs, die weiter mit Kunden golfen wollen. Aus lauter Routine haben sie verlernt, wie man Innovationen managt. Man sagt, ich würde oft »gegen BWL« wettern, ich meine aber eher »BWLer«, die nichts mit den neuen Kennzahlensystemen der Start-ups anfangen können. Insbesondere muss man Neues doch wohl mit Superleuten beginnen, nicht mit solchen, die gerade nichts zu tun haben. »Solche Stars würden bei uns nicht in Gehaltsgefüge passen.« Stattdessen bekommen alle Mitarbeiter ein paar Stunden Ausbildung in »agil« und »Design-Thinking«, damit alles Alte ein bisschen schneller geht. Sie bauen lieber Deiche gegen das Neue, und auch, ja, ein paar Boote, die sie in »Exzellenz-Centers« ihren Kunden präsentieren. Mein Buch »Warum wir eine Exzellenzgesellschaft werden müssen« ist von 2008, ich fühle mich seit langem wie Kassandra. Müssen erst alle Deiche brechen?

Speaker

 

Prof. Dr. Gunter Dueck
Prof. Dr. Gunter Dueck , Jahrgang 1951, studierte von 1971-75 Mathematik und Betriebswirtschaft, promovierte 1977 an der Universität Bielefeld in Mathematik. Er forschte 10 Jahre mit seinem wissenschaftlichen Vater Rudolf Ahlswede zusammen, mit dem er 1990 den Prize Paper Award der IEEE Information Theory Society für eine neue Theorie der Nachrichten-Identifikation gewann. Nach der Habilitation 1981 war er fünf Jahre Professor für Mathematik an der Universität Bielefeld und wechselte 1987 an das Wissenschaftliche Zentrum der IBM in Heidelberg. Dort gründete er eine große Arbeitsgruppe zur Lösung von industriellen Optimierungsproblemen und war maßgeblich am Aufbau des Data-Warehouse-Service-Geschäftes der IBM Deutschland beteiligt. Er arbeitete an der Strategie und der technologischen Ausrichtung der IBM mit und kümmerte sich um Cultural Change. 2009 bis 2010 beteiligte er sich in führender Rolle am Aufbau eines neuen strategischen Wachstumsfeldes der IBM Corporation, das auf die wachsende Industrialisierung der IT-Infrastrukturen bis hin zum so genannten Cloud Computing zielt. Bis zum August 2011 war er Chief Technology Officer (CTO) der IBM Deutschland. Seitdem hat es ihn wegen Erreichens der 60-Jahre-Marke in den Unruhestand gezogen, er ist derzeit freischaffend als Schriftsteller, Business-Angel und Speaker tätig und widmet sich weiterhin unverdrossen der Weltverbesserung. Gunter Dueck war einer der IBM Distinguished Engineers und Mitglied der IBM Academy of Technology. Er war lange Jahre Mitglied der Präsidien der Gesellschaft für Informatik und der deutschen Mathematikervereinigung. Er ist Fellow des amerikanischen Ingenieursverbandes IEEE, Fellow der Gesellschaft für Informatik und korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Er publizierte u.a. satirisch-philosophische Bücher über das Leben, die Menschen und Manager: E-Man (2. Aufl. 2002), Die Beta-Inside Galaxie und Wild Duck(3. Auflage 2003).

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